Federnfreiheit


Da stehe ich,
mitten im Sturm, der lautlos tosend
um mich herum bläst.
Da stehe ich,
halte mich bang an der kleinen
Feder fest, die sanft, kräftig und stark
und wie Gold in meiner Hand liegt.
Da stehe ich,
sinnend, wieviel mir diese Feder bedeuten mag,
doch erst als der Sturm sie mir
mit wilden windenden Kreisen
von meiner Hand nimmt,
merke ich, wie wichtig sie mir war,
denn meine Welt beginnt zu schwanken.
Mit wehem Blicke muss ich erkennen,
dass Nehmen und Geben,
Halten und Loslassen,
Standhaftigkeit und Hilflosigkeit
miteinander verbunden sind.
Ich schwanke,
der Sturm reißt mich mit,
ich verliere den Halt, den mir die Feder gab, vollends,
gewinne durch die neue Erkenntnis
das Gefühl, dass alles rechtens ist
und lasse mich forttreiben, mitziehen.
Erst mit dem Sturm,
dann der Sturm selbst
und wie meine Feder:
frei, fliegend!

© Anna Lilja 2001


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