Waldeinsamkeit
Heinrich Heine
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1.
Ich hab in meinen Jugendtagen 2.
Der schöne Kranz gefiel wohl Allen, 3.
Im Wald, im Wald! da konnt ich führen 4.
Sie nahten sich mir ganz ohne Zagnis, 5.
Saß ich am Bache, so tauchten und sprangen 6.
Sie schlugen die Zither, sie spielten auf Geigen, 7.
Jedoch zu Zeiten waren sie minder 8.
Von Feenbegünstigung plaudern nur Toren - 9.
Wie haben mich lieblich die Elfen umflattert! 10.
Jedoch zu Zeiten waren sie minder
11.
Trällerten, trillerten welsche Romanzen, 12.
Sie unterbrachen manchmal das Gesinge 13.
»Hat eine unsterbliche Seele ein Jeder 14.
Was ich zur Antwort gab, verhehle 15.
Anmutig und schalkhaft sind Nixen und Elfen;
16.
Sie tragen Rotmäntelchen, lang und bauschig,
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17.
Sie haben nämlich Entenfüße 18.
Ach Himmel! wir Alle, gleich jenen Zwergen, 19.
Niemals verkehrt ich mit Salamandern, 20.
Sind spindeldürre, von Kindeslänge, 21.
Ein güldnes Krönlein, gespickt mit Rubinen,
22.
Die klügsten Waldgeister sind die Alräunchen,
23.
Wenn sie im Mondschein kopfüber purzeln, 24.
Sie lehrten mir kleine Hexereien, 25.
Sie lehrten mich Sterne und Zeichen deuten, 26.
Sie haben mir auch den Pfiff gelehrt, 27.
Die Worte, die man beim Schätzegraben 28.
Wohl hatt ich derselben nicht nötig dermalen, 29.
O, schöne Zeit! wo voller Geigen 30.
O, schöne Zeit! wo sich zu grünen 31.
Die schöne Zeit, sie ist verschlendert, 32.
Der Kranz ist mir vom Haupt genommen, 33.
Es glotzen mich an unheimlich blöde 34.
Im Walde sind die Elfen verschwunden,
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